Interview: Andreas Bär Läsker über sein neues Projekt XOND

Schwäbisch Hin oder Her: XOND heißt gesund. Und XOND ist der Name der ersten veganen Franchise-Fast-Food-Kette in Deutschland. Die Männer hinter dem Projekt, Musikmanager und Fotograf Andreas Bär Läsker und Filmproduzent Kai Binder, möchten den Beweis antreten, dass sich Fast Food und gesundes Essen in Bio-Qualität nicht ausschließen müssen. Andreas Bär Läsker dürfte den meisten von euch durch seine Tätigkeit als Manager der Fantastischen Vier und als ehemaliger DSDS-Juror (2007) ein Begriff sein. Nach der Lektüre der China Studies beschloss Bär spontan erst auf Fleisch zu verzichten und lebt nun seit mittlerweile knapp drei Jahren ausschließlich vegan. Im Januar dieses Jahres ist sein Buch „No Need For Meat“ bei Trias erschienen.
Aktuell läuft für XOND und für die erste Fast-Food-Filiale in Stuttgart ein Crowdfunding-Projekt auf Startnext. Das Finanzierungsziel sind 80.000€, die Kampagne läuft noch bis zum 07.11.2015. Alle Gerichte bei XOND sollen nach eigenen Rezepten und mit sorgfältig ausgewählten und kontrollierten Zutaten zubereitet werden. Wir hatten die Gelegenheit mit Bär persönlich zu sprechen und ihm ein paar Fragen zu stellen:

vegan-lovers: Was ist der aktuelle Stand bei XOND? An welchen Details arbeitet Ihr gerade?

Andreas Bär Läsker: Momentan sind wir mitten Crowdfunding. Das ist natürlich eine Sache die gepflegt werden will, die immer wieder reaktiviert werden muss. Crowdfunding heißt ja nicht du stellst ein Projekt rein und wartest bis es gut läuft, sondern da musst du dich ja jeden Tag drum kümmern. Die Promo drumherum ist das was ich gerade mache. Parallel dazu spreche mit einem Innenarchitekten um unseren ersten Laden in Angriff zu nehmen. Ab Anfang Oktober wollen wir mit dem Umbau beginnen und die Einrichtung machen. Da XOND ja auch ein Franchise-fähiger Laden werden soll und somit gut reproduzierbar sein muss, will natürlich gut überlegt sein was du da reinmachst. Es soll ja nicht irgendein Experimentladen werden, sondern der ultimative erste Laden, der glatt funktioniert und damit wiederholbar ist. Das ist schon recht komplex.
Parallel gehen wir die Idee mit der veganen Messe an, die am 16./17. April nächsten Jahres hier in Stuttgart stattfinden soll.
Und dann reden wir natürlich über Ausstattung, Personal, Rezepte, Karte, eben alles was dazu gehört. Wir wollen ja nicht nur gesundes Essen einkaufen sondern auch gesundes Essen verkaufen. Die Verarbeitung muss dann natürlich dementsprechend sein, d.h. was machen wir damit und wie verarbeiten wir es. Wir haben vor die einzelnen Zutaten zum Beispiel mit Kombidämpfern möglichst schonend zu verarbeiten, usw.

vegan-lovers: Mit der Wahl des Namens XOND stellt ihr ja einen regionalen Bezug her. Wird sich dieser regionale Bezug auch in der Speisekarte wiederfinden und kannst du schon genauer verraten auf was man sich bei XOND freuen kann?

Andreas Bär Läsker: Die einzelnen Gerichte kann ich natürlich noch nicht verraten, das soll ja auch eine Überraschung werden. Es wird um Fast Food gehen, d.h. es wird Pommes geben, es wird Burger geben, es wird Sandwiches geben. Aber auch regionale und speziellere Dinge, die zum Großteil aus meiner eigenen Feder kommen und auch teilweise schon im Buch zu finden sind.

vegan-lovers: Kai und Du seid ja beide keine gelernten Köche, woher nehmt ihr die Kreativität beim Kochen?

Andreas Bär Läsker: Du musst ja nicht Koch gelernt haben um kochen zu können. Es gibt da draußen wahrscheinlich Millionen Hausfrauen die 1000mal besser kochen als jeder Koch. Ich koche seit 18 Jahren fast täglich, irgendwann kannst es halt. Und als ich vegan wurde, hab ich eben vegan gekocht. Wenn man ein grundsätzlich kreativer Mensch ist, wirkt sich das natürlich auch beim Kochen aus. Die Rezepte die in meinem Buch stehen sind ja auch alle von mir. Natürlich hab ich nicht die Falafel erfunden aber die Falafel die ich mache, schmeckt eben so wie meine Falafel eben schmeckt, ohne dabei zu zerfallen, usw.
Und Kai hat mit Beteiligungen an zwei Läden selbst bereits Erfahrungen in der Szene-Gastronomie gesammelt. Zudem ist er Tierschützer und ein grundsätzlich empathischer Mensch.

vegan-lovers: Du lebst ja seit knapp drei Jahren vegan. Was waren deine persönlichen Beweggründe vegan zu werden?

Andreas Bär Läsker: Es waren zum einen gesundheitliche Gründe. Ich wollte einfach keinen Mist mehr in mich hineinstopfen von dem ich weiß, dass er mich nicht gut tut. Aber es waren natürlich auch ethisch-moralische Gründe. Die Gründe, die es eben gibt für vegane Ernährung: Tierschutz, Umweltschutz, soziales Verhalten. Essen ist keine Privatsache mehr. Mit falschem Essen schadest du nicht nur dir, du schadest auch deinen Mitmenschen, du zerstörst unsere Umwelt. Wir machen uns ja auch Gedanken darüber, ob es Sinn macht einen Porsche Cayenne Turbo S zu fahren, darüber wird diskutiert. Beim Essen kann sich dagegen jeder 5 Schnitzel reinhauen und macht sich darüber keinen Kopf. Ich hab mir darüber einen Kopf gemacht, deswegen war es für mich die logische Konsequenz mich vegan zu ernähren.

vegan-lovers: Was ist für dich die größte Bereicherung die du durch die Umstellung auf die vegane Lebensweise erfahren hast?

Andreas Bär Läsker: Die größte Bereicherung ist für mich, dass ich jetzt Lebensmittel, Gemüse- und Getreidesorten kenne, von denen ich vorher noch nie etwas gehört hatte. Und die esse ich jetzt jede Woche und experimentiere mit ihnen und bin froh das ich weiß, dass es sie gibt. Die Vielfalt die in meine Küche Einzug erhalten hat ist unglaublich. Etwas das als Verzicht verschrien ist, bringt eine solche Abwechslung hervor, das ist für mich die größte Bereicherung.
Eine zweite Sache ist sicherlich die Gewissensberuhigung. Man muss sich nicht mehr einen Kopf darüber machen, selbst zu Massentierhaltung und dem Töten von Tieren beizutragen. Dieses schlechte Gewissen trägt ja heutzutage letztendlich jeder mit sich herum. Früher wurde das vielleicht professioneller ausgeblendet und man hat da nicht so drüber nachgedacht. Es wurde einem aber auch nicht überall der Spiegel vorgehalten. Jetzt ist es eben so weil wir in der Informationsgesellschaft leben und weil da ganz ganz viel passiert. Es findet ein Paradigmenwechsel statt. Und da einer derjenigen zu sein, die das vermeintlich rechtzeitig kapiert haben und sich davon befreien ist schon eine extreme Bereicherung.

vegan-lovers: Wieso habt ihr Crowdfunding als Finanzierungsmethode gewählt?

Andreas Bär Läsker: Ich hätte natürlich auch genug Geld um das selbst zu machen, das ist nicht das Thema. Aber: Je mehr Kohle du am Ende zusammenbekommst, desto besser. Du musst ja auch noch Marketing und Werbung machen, da helfen 50.000, 60.000 oder 100.000€ natürlich, eine Frage. Und du machst ja über Crowdfunding nicht nur die Finanzierung sondern auch das Marketing, was ich hier in den letzten Wochen auch aktiv getan hab. Also in Stuttgart weiß jeder von was wir reden.
Als Musikmanager habe ich Crowdfunding mit drei meiner Bands auch schon gemacht und das drei mal sehr erfolgreich. Das waren jeweils die Finanzierungen für die kompletten CD-Produktionen, einmal mit 30.000€, einmal mit 18.000€, einmal mit über 70.000€. Wir wissen halt, dass das ein gutes Mittel ist in einer Welt, in der das Geld nichts mehr wert ist und du fürs Geld nichts mehr bekommst und die Leute ihr Geld in etwas investieren möchten was ihnen Spaß macht und ihnen sinnvoll erscheint. Dafür machen wir das.

vegan-lovers: Bär, wir danken dir für das Gespräch und wünschen euch weiterhin viel Erfolg bei der Kampagne!

xond

1 Comment

  • mara sagt:

    Ah ja. Das wird die Leute, die auf startnext das Projekt unterstützt haben, sicher freuen. Der Bär braucht eure Kohle garnicht, er hat selbst genug. Aber sein Privatvermögen in so ein Projekt zu stecken, kommt für ihn offensichtlich nicht in Frage. Da nimmt er lieber Geld von anderen Leuten, damit ist für ihn kein Risiko verbunden. Vielleicht auch interessant zu lesen, dass Geld nichts mehr wert ist und man dafür nichts mehr bekommt. Xonde Einstellung, das!

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